Westruper Heide

Imposante wie bizarre Wacholderbüsche säumen die Wege durch die Heide.

Einst als Weideunkraut bekämpft, scheint er sich gegenwärtig damit schwer zu tun, für Nachkommenschaft zu sorgen. Obgleich der Wacholder in der Westruper Heide noch üppige Bestände bildet, wird unser Auge nur selten bis gar nicht auf Wacholderkeimlinge, geschweige denn junge Wacholderpflanzen treffen.

Mit etwas Glück entdeckt man dagegen schon eher einige Büsche der Glockenheide inmitten dem Meer der Besenheide. Um die Glockenheide ist es noch verhältnismäßig gut bestellt. Sie besiedelt bevorzugt feuchte Heide- und auch Moorböden. Durch ihre glockenähnlichen, rosa Blüten lässt sie sich leicht von der Besenheide unterscheiden. Und auch außerhalb der Blütezeit fällt dieser Zwergstrauch durch seine deutlich helleren Zweige auf.

Wo die Glockenheide in der Westruper Heide wächst, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, auch auf den Sonnentau zu stoßen. Der Sonnentau, eigentlich eher eine Moorpflanze, findet auf feuchtem Heideboden noch ein letztes Refugium. Als Fleisch fressende Pflanze ist diese Art optimal an die karge Heidelandschaft mit ihren sandigen, ausgelaugten Böden angepasst, deckt sie doch ihren Bedarf an Nährstoffen durch das „Vertilgen“ von Insekten, die sich aus ihren klebrigen Fängen nicht mehr befreien können.

Eine ähnlich gute Strategie verfolgt der Ameisenlöwe. Er baut einen Trichter in den losen Sand. In seiner Höhle im Zentrum des Trichters sitzend wartet er darauf, dass ihm eine Ameise in die Falle geht. Sobald seine Beute sich in den Trichter verirrt, wirft der Ameisenlöwe mit Sand nach der Ameise. Diese verliert den Halt und rutscht geradewegs in die Höhle des Löwen.
Der seltene Ameisenlöwe, bei dem es sich um das Larvenstadium der Ameisenjungfer, eines Netzflüglers, handelt, ist in der Westruper Heide noch beheimatet.

Ebenfalls in der Westruper Heide zu Hause sind die Schlingnatter und die Zauneidechse. Als Wärme liebende Reptilien sonnen sie sich gerne an einem ungestörten Plätzchen. Ein solches zu finden, ist in der auch abseits der Wege häufig vom Menschen unerlaubt frequentierten Heide gar nicht so leicht.

Wer im Frühjahr aufmerksam durch die Heide spaziert, dem wird der Gesang der Heidelerche nicht entgehen. Ihr melodisches „lülülü“ ertönt in unserer Zeit jedoch nur noch sehr selten. Die Heidelerche baut ihr Nest gut versteckt im hohen Gras. Doch als Heide bewohnender Vogel hat auch sie zusehends ihren Lebensraum verloren. Umso erfreulicher, dass sich die Heidelerche, trotz des enormen Besucherdrucks, noch immer in der Westruper Heide wohl fühlt, wenngleich ihr frei laufende Hunde das (Über-)Leben sehr schwer machen.

Ihr Dasein ist, genau wie das der übrigen genannten und weiterer Heidebewohner, in hohem Maße davon abhängig, wie wir Menschen uns in der Heide verhalten. Gehen wir beispielsweise unerlaubt kreuz und quer durch die Heidelandschaft, oder bleiben wir auf den Wegen? Erlauben wir unseren geliebten Vierbeinern ihrem natürlichen Jagdtrieb nachzugehen, oder behalten wir sie aus Rücksicht auf Heidelerche, Schlingnatter & Co. an der Leine? Es liegt in unserer Verantwortung auch unseren Kinder noch zu ermöglichen, diese faszinierende Landschaft mit ihren Bewohnern künftig entdecken und genießen zu können.

Über die Heide

Über die Heide sind wir gegangen,
Und die Heide war blütenleer,
Goldene Käfer flogen schimmernd
Auf dem Sande vor uns her.

Alle Fuhrenzweige blühten,
Und die Heidelerche sang
Aus der wolkenlosen Höhe
Süß zu unserm Heidegang. [...]

Hermann Löns